Das Vogtland als Region
Das Vogtland und die Lage des Vogtlandes

Das Vogtland ist eine Hochfläche von 494 m mittlerer Höhe über dem Meeresspiegel. Unter dem Begriff Vogtland versteht man heutzutage das jetzige sächsische Vogtland des Freistaates Sachsen. In der Mitte vom Breitengrad 50° 30` und vom Längengrad 12° 37` östlich von Greenwich durchschnitten, reicht es vom Kapellenberg im Süden bis Neumark im Norden, von Langenbach bis Mühltroff im Westen bis zum Kranichsee im Osten, also von 50° 10` bis 50° 40` n. Br. und von 11° 52` bis 12° 37` ö. v. Gr. Daraus ergibt sich durch Rechnung: das Vogtland ist vom Äquator 50,5. 111 = 5605,5 km entfernt und hat folgende Ausdehnung: von Süden nach Norden 0,5. 111 = 55,5 km, von Westen nach Osten 0,75. 72 = 54 km. Sein Umriß stellt ungefähr ein Quadrat dar, dessen Diagonalen nordsüdlich und westöstlich gerichtet und etwa 55 km lang sind. Dadurch würde sich eine annähernde Größe von 1512,5 km2 ergeben. Die aus der Karte abgeleitete Größe nähert sich der wirklichen, sie ist 1332 km2. Das ist ungefähr der zehnte Teil des Freistaates Sachsen.

Ein Blick auf die Karte zeigt aber, daß die politische Grenze keine einheitliche Landschaft einschließt, mit dem Kranichsee im Osten haben wir echt erzgebirgische Landschaft berührt, in Südost und Südwest dagegen sind Gebiete ausgeschlossen, die eigentlich zur Landschaft gehören. Soll diese einheitlich sein, so bedarf sie natürlicher Grenzen; doch wird es gerade beim Vogtland schwer, solche aufzufinden.

In der Geschichte hat denn auch der Name Vogtland eine verschieden ausgedehnte Anwendung gehabt, im allgemeinen aber eine weitere als heutzutage. Das niedrige Bindeglied zwischen dem Erzgebirge einerseits, dem Fichtelgebirge, Franken- und Thüringer Wald andererseits, also zwischen den beiden wichtigsten aller deutschen Mittelgebirge, war ein vielbenütztes und darum vielbegehrtes Durchgangsland von Thüringen und Sachsen nach Böhmen und Bayern. Diesen wichtigen Übergang hüteten seit dem 11. Jahrhundert kaiserliche Beamte, Vögte, die ihre Herrschaft von der Vereinigung der Elster und Weida allmählich bis zur Saale und Eger ausdehnten. Darum hieß das Gebiet 1343 terra advocatorum Vogtland. Nach diesem politisch bedeutsamen Übergangsland streckten bald mächtige Nachbarn ihre Hand aus, die Böhmenkönige seit Karl IV. (1347-1378 Kaiser), die Markgrafen von Meißen seit Friedrich III., dem Strengen (1349-1381). Die ursprünglichen Herren behielten nur den Norden und Westen (Gera, Greiz, Schleiz), der Südosten kam an Böhmen, der Südwesten an die Burggrafen von Nürnberg (jetzt bayerisch), der Hauptteil an die Markgrafen von Meißen, die späteren Kurfürsten von Sachsen. Darum führt jetzt der sächsische Anteil allein noch den Namen Vogtland.
Bei einem Übergangsland, einem Bindeglied benachbarter Gebirge, lassen sich natürliche Grenzen schwer festsetzen. Sie haben immer etwas Willkürliches. In der Tat werden auch die Grenzen des Vogtlandes ganz verschieden gezogen. Östlich von der oberen Göltzsch treten uns jedoch deutlich erzgebirgische Formen entgegen: ein Blick vom Wendelstein bei Falkenstein zeigt den scharfen Unterschied zwischen den Formen zur Rechten und zur Linken der Göltzsch. Dagegen unterscheidet sich das reußische Oberland westlich von der Stelzenhöhe und der Mißlareuther Höhe in seinen Formen gar nicht von der diesseits liegenden Westhälfte des Gebietes der kreisfreien Stadt Plauen.

Darum begrenzen wir das Vogtland als natürliche Landschaft in folgender Weise, im Osten: durch die Weiße Elster von der Weidaeinmündung bis zur Göltzschmündung, durch die Göltzsch und die Zwota und eine gerade Linie zwischen den Quellen der beiden letztgenannten Flüsse; im Süden, wo aus der Egerebene und dem Franzensbader Kessel die Höhen des Vogtlandes rasch, darum deutlich sichtbar aufsteigen: durch die Höhenlinie von 500 m (Falkenau (Sokolov), Fonsau bei Wildstein, Seeberg am Seebach); im Südwesten, wo ein unmittelbarer Zusammenhang mit Fichtelgebirge und Frankenwald besteht: durch die Linie (Eger-Cheb) Seeberg-Hof-Schloß Burg a. d. Saale oder durch den Seebach, Perlenbach, die Schwesnitz und Saale von der Schwesnitz- bis zur Wisentamündung; im Nordwesten, wo die Grenze am willkürlichsten sein muß: das Längstal der Wisenta (von der Mündung bis zur scharfen Umbiegung oberhalb Schleiz und das Längstal der Weida (von Weckersdorf bis zur Mündung).

Diese Grenzen geben dem Vogtland die Gestalt eine Rechtecks mit der Längsausdehnung von Südost nach Nordwest (65 km) und der Breitenausdehnung von Südwest nach Nordost (36 km). Von diesem Rechteck ist im Osten, wo das Erzgebirge bis zur Muldenquelle hereinragt, ein kleines Rechteck abzuziehen in der Länge Falkenau (Sokolov) Göltzschquelle und in der Breite Göltzschquelle Auerbach. Längen- und Breitenausdehnung zeigen deutlich, daß das Vogtland das kurze Bindeglied zwischen dem Westende des Erzgebirges und dem Fichtelgebirge und Frankenwald ist.
Aus der Länge und der Breite des Rechtecks (65. 36 km) läßt sich annähernd die Größe berechnen (2340 km2). Die genaue Ausmessung mit Millimeterpapier ergibt als Flächeninhalt der Landschaft 2265,83 km2. Diese Zahl erfährt ihre Beleuchtung erst durch einen Vergleich mit der Flächenzahl des Erzgebirges: 5801 km2.

Der Vogtlandkreis:
Der Vogtlandkreis oder das Vogtland, wie es im Volksmund genannt wird, hat eine Fläche von 1332 Quadratkilometern. Es ist im Regierungsbezirk Chemnitz der größte Landkreis und der drittgrößte im Freistaat Sachsen.
Im Vogtland leben 214 848 Menschen
(w, m), (Stand ohne kreisfreie Stadt Plauen).

Verwaltungsstruktur:
Der Vogtlandkreis besteht aus 17 Städten und 53 Gemeinden.
Die Landkreisverwaltung hat ihren Hauptsitz in der kreisfreien Stadt Plauen.

Lage, Perspektive:
Im Herzen Europas, im südwestlichsten Zipfel des Bundeslandes Sachsen gelegen, grenzt es an die Freistaaten Thüringen und Bayern, östlicherseits an die tschechische Republik. Durch deren EU-Beitritt, welcher demnächst erfolgt, ist ein Zusammenwachsen von touristischen und kulturellen Aktivitäten über Landesgrenzen hinweg in größerem Rahmen möglich, was für den Tourismus nur förderlich sein kann. Das schon jetzt gut ausgebaute Verkehrsnetz wird diesem Bestehen förderlich sein.
Mit Prognosen für einen wirtschaftlichen Aufschwung der Industrie für die vogtländische Region im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt der tschechischen Republik, wie das die Politiker gern vollmundig tun, sollte man vorsichtig sein. Es besteht viel eher die Möglichkeit, daß die Situation auf dem Arbeitsmarkt noch komplizierter wird.
Dem Vogtland mit seinen landschaftlichen Schönheiten und der kulturellen Vielfalt sollten die Lokalpolitiker etwas mehr Sensibilität entgegenbringen, wird es doch auf der touristischen Strecke die Erwerbsgrundlage für viele einheimische Familien bilden, wenn die Industrie in der Region sich nicht so entwickelt, wie man es sich in den Amtsstuben wünscht.
Die Zerstörung der Natur durch gedankenlose Zersiedlung, das Ausweisen immer neuer Gewerbeflächen in landschaftlich schönen Flecken und die damit fortschreitende Zerstörung der Natur (statt vorhandene Industriebrachen vorrangig wieder neu zu belegen), dies alles ist dem Tourismus abträglich.
Der moderne Mensch will, wenn er aus dem Alltagsgetriebe ein paar Tage entflieht, die Illusion einer heilen und intakten Landschaft genießen. "Grüßen" ihn von den Kuppeln und Hügeln des Vogtlandes Windkrafträder, Lagerhallen von Filialen und verwahrloste Industriebrachen, wird über kurz oder lang ein noch so ausgefeilter Hochglanzprospekt der Region seine Wirkung auf den Besucher verlieren.
Man sollte nie vergessen: Man kann heute mit immer weniger Geld immer weiter reisen, daß heißt, man muß dem Touristen, der in Deutschland bleibt, echt etwas bieten, wenn man ihn hier halten möchte.
Diese Aussage ist nicht gegen die Ansiedlung der Industrie gerichtet, aber die "Größeren" der Lokalpolitik sollten endlich einmal begreifen, daß manche ihrer heutigen Entscheidungen weitreichende Auswirkungen in die Zukunft der Region haben können.

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