Stadtinformation

20.9.2002

Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Plauen


Nur ein altes Haus - Die Schloßstraße 7, 7a

Wenn man in den letzten Wochen die Veranstaltungen zur Stadtentwicklung und zur Verkehrsplanung als Plauener aufmerksam verfolgt hat, kommt man zu dem Eindruck, hier werkeln Laienkünstler in der Stadtplanung und in der Unteren Denkmalschutzbehörde, denen eigentlich der Bezug zu dem, was sie gestalten sollen, fehlt: Eine Stadt in der sich die Bürger wohl fühlen, zu der man einen Bezug findet und die man als seine Heimatstadt betrachtet. Gezeigte und auf Bildtafeln farbig schillernde Luftnummern von aufgepeppten Wohngebäuden, welche aus finanziellen Gründen sicher eines Tages klammheimlich in den Schränken verstauben werden, das kann es doch nicht gewesen sein. Trassen, die der späteren Einwohnerzahl entgegenstehen, statt Umgehungsstraßen, die seit Jahrzehnten schon überfällig sind, dies sind alles Punkte, über die man nur den Kopf schütteln kann. Man sollte der Wahrheit ins Auge sehen. Die seit Jahren leerstehenden Gebäude an der B 173 und B 92 im Stadtgebiet wird man abbrechen müssen. Meist sind es ehemalige Mietskasernen mit kleinen Hinterhöfen. Hier wird das Wohnumfeld, auch künftig bei schrumpfender Einwohnerzahl, nicht stimmen. Weicht man mit dem Durchgangsverkehr auf andere Straßen aus, (siehe Chamissostraße schon allein wegen des Lessing-Gymnasiums - hier sind schwere Unfälle mit Kindern zu erwarten), ist ein weiterer Kahlschlag vorprogrammiert, ohne die zu entlastenden Straßen wiederbelebt zu haben.

Man sollte mit Blick auf die Zukunft bei abzubrechenden Wohnblöcken in der Peripherie der Stadt Lagen mit älteren Wohngebäuden etwas mehr Aufmerksamkeit widmen, sie wieder zum "Leben erwecken". Eigentlich müßte das bei einer logisch denkenden Stadtplanung die Schlußfolgerung sein. Hier in Plauen ist man davon weit entfernt.

Aus den Straßenkarrees zwischen Hradschin und der Kaiserstraße ließe sich mit etwas gutem Willen ein Viertel mit Wohnqualität schaffen, das die Plauener, welche man wieder in der Innenstadt "ansiedeln" will, sicher annehmen würden. Es ist die letzte größere zusammenhängende Fläche von Wohn- und Geschäftsgebäuden, z. T. aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Es ist das Stück "Alt-Plauen", was uns in die "Neuzeit" begleitet hat. Die bisher dort sanierten Gebäude lassen ahnen, wie das Viertel aussehen könnte, wenn es eine Stadtplanung und eine Untere Denkmalschutzbehörde gebe, die weiß, was in diesem Viertel für Urbanität schlummert, und die die Hände schützend darüber halten würden.

Sollte man eigentlich meinen, meinst Du lieber Plauener? Weit gefehlt! Der unkontrollierte Kahlschlag an Wohngebäuden beginnt in den nächsten Tagen in diesem Viertel mit dem Abriß Schloßstraße 7, 7a / Ecke Stresemannstraße. Ein Gebäude, welches in seiner Form prägend für die Schloß- und Stresemannstraße ist. Wie es danach aussehen kann, das kann man sich eine Ecke weiter oben Ecke Stresemann- und Fucikstraße anschauen. Vielleicht wird es auch ein Parkplatz mit bezahlten Stellflächen. Auf alle Fälle zerstört man ein Stück Alt-Plauen. Ebenso könnte man auch schräg gegenüber die Trögersche Villa wegnehmen. So genau hat man es in Plauen ja mit dem Denkmalschutz nie genommen.

Statt Abbruch in eine sinnvolle Sanierung investieren, muß das Ziel sein. Viele ältere Bürger, die man in der Innenstadt wieder ansässig machen will, besitzen aus Altersgründen kein Auto mehr. Bis zum Tunnel läuft man 5 Minuten. Ein Nebeneffekt wäre noch, daß die Stresemannstraße als Einkaufsstraße davon profitieren würde, wenn man statt abzureißen Wohnungen schaffen würde. In der Plauener Innenstadt haben in letzten Monaten seit der Schließung Brinkmanns vom Kopfhaus bis zum Mühlberg 45 Händler und Gewerbetreibende das Handtuch geworfen und für immer ihre Ladentüren abgeschlossen. Was danach kam, sind meistens Billig- und Ramschläden, womit man keine Innenstadt aufwerten kann. Die Stadt Plauen hat im Vergleich zur Einwohnerzahl über 7500 Quadratmeter Einkaufsfläche zu viel. Was in der Vergangenheit nicht wuchs war die Kaufkraft. In diesem knallharten Verdrängungswettbewerb werden viele einheimische Händler und Gewerbetreibende über kurz oder lang aufgeben müssen. In diesem Prozeß sind wir mittendrin. Da die Stadt Plauen die Baugenehmigung für diese überdimensionierten Einkaufsflächen gegeben hat, ist der Niedergang des Niveaus der Einkaufsstraßen der Innenstadt ein hausgemachtes Problem und hat mit der allgemeinen Rezession nur bedingt zu tun. Das Niveau der Einkaufsmöglichkeit in der Innenstadt wird von Monat zu Monat weiter sinken. Statt zusätzlicher Einkaufsflächen muß man endlich auch mal produktive Arbeitsplätze schaffen. Eine Ausnahme könnte es noch geben: Ein großer Lebensmitteldiscounter in der Innenstadt, der auch Plauener wieder in das Zentrum lockt und der die Gewerbetreibenden in der Innenstadt davon befreien würde, mehrmals in der Woche kilometerweit in die Peripherie zu fahren, um sich dort mit den Waren des täglichen Bedarfs preiswert zu versorgen. Was in der Stadt fehlt, ist ein ausgewogener Branchenmix, wozu das ECE-Center nicht beigetragen hat. Das Center hat längst schon seine eigenen Probleme.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, es reicht nicht, in der Stadt Plauen ein kleines Freibad und ein großes ECE-Center zu schaffen. Die Wohnqualität gerade in der Innenstadt muß in den nächsten Jahren entscheidend verbessert werden, und dazu gehört auch der Erhalt und die Wiedernutzung von prägender historischer Bausubstanz. Ich fordere sie auf, die Abbruchgenehmigung für das Objekt Schloßstraße 7, 7a zurücknehmen zu lassen und das Gebäude in einer späteren sinnvollen Sanierung des Wohnviertels mit zu integrieren. Auf ein weiteres Gebäude, das noch ein paar Jahre leersteht, kommt es bei der Menge der leerstehenden Häuser in der Stadt Plauen sicher auch nicht mehr an.

Da fällt mir noch ein, wenn man die Plauen-Information im Rathausfoyer auf die linke Seite etablieren würde, statt kostenaufwendige Baueingriffe für Durchbrüche im Bereich des ehemaligen Ratskellers auf eine tote Straße (hier meine ich die Herrenstraße) zu tätigen, dann wären die ersten 130000 Euro für die Sanierung der Schloßstraße 7 / 7a schon vorhanden. Und da dies ja sicher auch wieder Fördermittel sind aus den Steuereinnahmen der Bevölkerung, also auch von mir, würde ich sogar einmal sagen, dieselben sind sinnvoll angelegt im Gegensatz zur ursprünglichen Verwendung, wo Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen werden.


Mit freundlichen Grüßen
Ihr


Curt Röder

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